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Garküche „Zum Christkindl“

Johannisstraße 9

Emil, um 1903

» Die Finanzen lassen es nicht oft zu, dass ich auswärts esse, aber im Christkindl geht es. Die Wassersuppe kostet hier 9 Pfennig. Vor einigen Jahren habe ich hier ‚Vater Böhmer’ kennengelernt. Er ist mein Vorbild. Wie der sich für die Arbeiterklasse einsetzt, ist wirklich beeindruckend. Wegen ihm engagiere ich mich jetzt auch in der Gewerkschaft. «

Garküche „Zum Christkindl“

Johannisstraße 9

Emil, um 1903

» Die Finanzen lassen es nicht oft zu, dass ich auswärts esse, aber im Christkindl geht es. Die Wassersuppe kostet hier 9 Pfennig. Vor einigen Jahren habe ich hier ‚Vater Böhmer’ kennengelernt. Er ist mein Vorbild. Wie der sich für die Arbeiterklasse einsetzt, ist wirklich beeindruckend. Wegen ihm engagiere ich mich jetzt auch in der Gewerkschaft. «

In der Johannisstraße 9 eröffnet 1869 eine Garküche mit einfachen und preiswerten Speisen. Der Ort wird zum beliebten Treffpunkt der Arbeiterklasse. Ganz vorne mit dabei: Ernst „Vater“ Böhmer. Der arbeitet in der Zigarrenfabrik Lätsch, in der 1866 der 1. Arbeiterverband Löbaus entsteht. Böhmer gilt als Mitbegründer der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiterpartei und ist später erster Sozialdemokrat im Stadtparlament. Als Bismarck 1878 Vereinigungen der Arbeiterschaft verbietet, trifft man sich heimlich, z.B. in „unpolitischen“ Raucherclubs. 

Nachdem die sogenannten Sozialisten­gesetze 1890 wieder abgeschafft werden, scheuen immer noch viele eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft, die Berufsverbände organisieren sich statt­dessen lokal. Im „Christkindl“ können dafür donnerstags und freitags die Beitrags­zahlungen geleistet werden. 1955 muss das Christkindl wegen „moralischer und politischer Bedenklichkeit“ schließen. Heute ist es ein Wohnhaus.